Durchführung des IVF – Prozesses

DIE EIZELLEN KOMMEN INS LABOR

Wie gelangen die Eizellen ins Labor?

Nach der Entnahme aus den Eierstöcken durch eine Punktion gelangen die Eizellen, eingelegt in Follikelflüssigkeit und umgeben von Kumuluszellen, in sterilen Röhrchen ins Labor. Unter dem Mikroskop werden sie dort lokalisiert, gereinigt und in einer Nährflüssigkeit bei 37°C in einem brutkasten gelagert.

Haben alle aus einem Monatszyklus entnommenen Eizellen die gleiche Qualität?

Die Qualität der Eizellen ist von Frau zu Frau verschieden. Außerdem haben nicht alle bei einer Eierstockpunktion erhaltenen Eizellen die gleiche Qualität.

Bei einer solchen Punktion wird eine heterogene Gruppe von Eizellen entnommen, von denen ca. 80% reif sind. Der Rest sind noch unreife oder degeneriert und abgestorben aussehende Eizellen, die nicht zur Befruchtung außerhalb des Körpers verwendet werden können.

DIE SPERMAZELLEN GELANGEN INS LABOR

Wann sollte die Spermaprobe entnommen werden?

Nach Beendigung der Eierstockpunktion wird der Mann um eine Spermaprobe gebeten. Diese Probe entnimmt er selbst nach Waschen der Hände und Genitalien durch Masturbation in ein steriles Gefäß. Dazu werden ihm das sterile Gefäß, etwas Mull und sterile Handschuhe zur Verfügung gestellt. Die Samenprobe wird dann sofort von den Biologen entgegen genommen, etikettiert und noch innerhalb einer Stunde nach ihrer Entnahme ihrem eigenen Vorbereitungsprozess unterworfen.

Sollte vor der ersten Visite schon eine Samenprobe tief gefroren werden?

Ja, Sie sollten zur ersten Visite schon eine tief gefrorene Spermaprobe mitbringen. Dann müssen vor der Übertragung der Embryonen nicht unbedingt schon beide Partner zum Zentrum kommen.

Wie müssen Sie vorgehen, wenn Sie eine Samenbank in Anspruch nehmen wollen?

Die Auswahl eines Samenspenders für ein Paar oder gegebenenfalls auch eine Frau alleine ist Aufgabe des medizinische Teams. Am Tag der Eizellenentnahme wird das Team das für die IVF vorgesehene Sperma aus der Samenbank schon bereit halten.

Muss der Samen besonders vorbereitet werden?

Das Ejakulat muss unbedingt vorbehandelt werden. Die Spermazellen müssen vom Plasma getrennt werden, damit sie hyperaktiviert werden können und so höchste Befruchtungsfähigkeit erreichen.

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DIE VEREINIGUNG VON EI- UND SAMENZELLE: DIE BEFRUCHTUNG

Nach ein paar Stunden in der Nährlösung werden die Eizellen zwecks Befruchtung mit den Samenzellen in Kontakt gebracht.

Worin besteht die herkömmliche In-Vitro-Befruchtung?

besteht darin, das Zusammentreffen zwischen Eizelle und Samenzelle zu erleichtern und so die Fusion der genetischen Information auszulösen. Wenn die Spermaprobe normal ist und der Mann vorher auch schon fruchtbar gewesen ist, wird eine ‘herkömmliche’ Insemination durchgeführt, bei der die Eizellen mit einer bestimmten Konzentration vorbereiteter Samenzellen (hunderttausend Spermien mit guter Beweglichkeit) in einer Nährlösung in Verbindung gebracht und bei 37°C ihrer Entwicklung überlassen werden, bis eine erfolgreiche Befruchtung festgestellt werden kann.

Wie wird eine Mikro-Spermieninjektion durchgeführt? Wann ist eine solche Injektion angebracht?

Wenn die Samenprobe keine gute Qualität zeigt oder keine Befruchtungs-Vorgeschichte besteht, kann die Befruchtung mit der Technik der Mikro-Spermieninjektion versucht werden.
Die ICSI ist eine hoch entwickelte Technik, die höchste Präzision und große Erfahrung des Biologen verlangt. Sie besteht in der Injektion einer lebenden Samenzelle direkt in das Cytoplasma der Eizelle. Unabhängig von der Spermaqualität ist die ICSI-Technik unverzichtbar für das Programm der Eizellenspenden, um eine gute Befruchtungsrate zu erzielen.

EIN TAG NACH DER IN-VITRO-FERTILISATION

Was ist am Tag nach der Befruchtung zu sehen?

Ca. 17 bis 20 Stunden nach der Insemination werden die Eizellen mit 400-facher Vergrößerung unter dem Mikroskop begutachtet, um zu sehen, ob sie befruchtet wurden oder nicht. Die befruchteten Eizellen sind an der Existenz von zwei Pro-Nuklei zu erkennen, die zu den jeweiligen maskulinen und femininen genetischen Codes gehören. Bei dieser ersten Untersuchung können korrekt befruchtete, nicht befruchtete oder anormal befruchtete Eizellen gefunden werden.

Werden alle In-Vitro inseminierten Eizellen befruchtet?

Nein. Unter normalen Bedingungen beläuft sich die Befruchtungsrate mit Samenzellen aus Ejakulationsflüssigkeit bei IVF und IVF-ICSI auf ca. 70%. Der erste IVF-Zyklus eines Paars dient der Diagnose, d.h., dazu, seine Fruchtbarkeit festzustellen. Dabei werden oft niedrige Befruchtungsraten (5-20%) oder sogar komplette Unfruchtbarkeit festgestellt.

Sind bei der IVF mehr genetische Anomalien zu erwarten als bei der natürlichen Fortpflanzung?

Nein. Obwohl das Durchschnittsalter der Patienten, die sich einer IFV unterziehen, um ein erstes Kind zu bekommen, höher als das Vergleichsalter der Allgemeinbevölkerung ist, und daher das Risiko Embryonaler Missbildung größer ist, ist in der Praxis kein höherer Prozentsatz genetischer Fehler bei nach IVF geborenen Kindern zu beobachten. Auch der IVF-ICSI-Prozess selbst birgt kein höheres Missbildungsrisiko als das, welches direkt auf den vom Mann beigesteuerten Samen zurückzuführen ist.

ZWEI TAGE NACH DER IN-VITRO-BEFRUCHTUNG

Was ist zwei Tage nach der In-Vitro-Fertilisation zu beobachten?

Nach der Befruchtung finden die ersten Embryonalen Zellteilungen statt. 48 Stunden nach der IVF durchlaufen die Embryos die ersten Zellteilungen in 2, 3, 4 und 5 Zellen, jedoch mit sehr unterschiedlichen Teilungsprozentsätzen.

DREI TAGE NACH DER IN-VITRO-BEFRUCHTUNG

Wie sehen die Embryos drei Tage nach der Befruchtung aus?

Die Embryos sollten die Anzahl ihrer Zellen vom Vortag verdoppelt haben. Am dritten Tag in der Nährlösung haben sie normalerweise einen Zustand von 7 bis 9 Zellen mit unterschiedlichen Teilungsprozentsätzen erreicht. Einige Embryos stellen vom 2. zum 3. Tag ihre Entwicklung ein.

Sind alle Embryos gleich?

Genauso wie bei den Personen, gibt es keine zwei gleichen Embryos. Jeder hat seine eigenen genetischen und morphologischen Eigenheiten. Außerdem haben nicht alle Embryos eines Zyklus die gleiche Qualität. Die Embryos werden bei 400-facher Vergrößerung unter dem Mikroskop untersucht und nach ihren morphologischen Eigenschaften (Zellteilrhythmus, gleich oder verschieden große Zellen und Prozentsatz der Zellfragmentierung) eingeteilt.
Dabei wird ein Zehnpunktesystem angewendet. Ein Embryo erhält 10 Punkte, wenn er am zweiten Tag in der Nährlösung 4 gleich große Zellen ohne Fragmentierung und am dritten Tag 7 bis 9 gleich große Zellen ohne Fragmentierung aufweist.

Was geschieht mit den überzähligen Embryos, die nicht übertragen wurden? Können sie eingefroren werden?

Ja, die ‘überzähligen’ Embryos mit guter Morphologie, die nicht zur Einnistung in die Gebärmutter verwendet wurden, können bei -196°C in flüssigem Stickstoff kryo-konserviert werden.

Wie lange können die Embryos tiefgekühlt aufbewahrt werden, ohne ihre Implantationsfähigkeit zu verlieren?

Bei Aufbewahrung in Behältern mit flüssigem Stickstoff unter stets gleich bleibend idealen Bedingungen können die tiefgekühlten Embryos theoretisch viele Jahre gesund überstehen. Zur Zeit haben wir nur erst die Erfahrung mit tiefgekühlten Embryos, die noch nach 8 Jahren Aufbewahrung ein gesundes Kind hervorgebracht haben.

Wie lange dürfen die Embryos laut Gesetz tiefgekühlt aufbewahrt werden?

Die verbleibenden Präembryonen, die nach der Anwendung von künstlichen Befruchtungstechniken nicht einer Frau in einem reproduktivem Zyklus übertragen werden konnten, können bei dazu autorisierten Banken kryokonserviert werden. Die Kryokonservierung von Eizellen, Eierstockgewebe und verbleibenden Präembryonen kann so lange verlängert werden, bis die verantwortlichen Ärzte durch ein befürwortendes Gutachten von vom Zentrum unabhängigen Spezialisten bestätigen, dass die Empfängerin nicht die klinischen Anforderungen für eine assistierte Reproduktion erfüllt.